Maël Duwan

Mein Color grading Workflow

25. August 2026

In diesem Blog geht es nicht mehr um die einzelnen Funktionen der einzelnen Tools der Color Page in Davinci, sondern darum, wie ich damit arbeite und welche Tools ich wofür brauche.

Grundsätzlich schaue ich immer, dass ich meinen Clip, welchen ich graden möchte, auf einem möglichst guten Bildschirm anschauen kann. Teilweise ist das dann halt einfach mein MacBook, da ich keinen richtig gut kalibrierten Bildschirm habe. Falls dies der Fall sein sollte, dann gehe ich immer über Workspace, dann zu Video, Clean Feed und dort auf mein Built-in Retina Display.

Danach kommt immer die gleiche Node-Struktur, mit welcher ich jeden Clip angehe, um diesen dann für mich möglichst effizient zu graden. Der Clip, den wir in diesem Blog gemeinsam anschauen und bearbeiten werden, ist im unten sichtbaren Screenshot zu sehen:

Node Struktur

Timeline Ebene

Als Erstes gehe ich dann jeweils auf die Timeline-Ebene in der Color Page (man kann oberhalb der Nodes per Dropdown-Menü entscheiden, ob man auf dem Clip oder der gesamten Timeline etwas verändern möchte).

Auf der Timeline-Ebene mache ich als Erstes die beiden CSTs (Color-Space-Transform), mit welchen ich ganz am Anfang vom Kameraprofil in das DaVinci-Editing-Profil konvertiere und ganz am Schluss dann wieder aus dem DaVinci-Editing-Profil ins Rec.-709-Profil (Gamma 2.4) konvertiere. Wieso ich mit zwei Color-Space-Transformern arbeite, habe ich im Color Grading Basics Blog unter Nodes erklärt (wichtig hier zu erwähnen ist: Ich habe zu dieser Zeit auch meine CSTs und den Look noch im Clip selbst gemacht. Diesen Workflow habe ich inzwischen verändert, da ich, falls ich mal etwas am Look verändern möchte, nicht jeden Clip individuell, sondern diesen pauschal über die ganze Timeline auf einmal anpassen möchte).

Clip Ebene

Nach den zwei CSTs sind wir erst einmal fertig mit der Timeline-Ebene, und wir gehen auf den einzelnen Clip, um diesen zu balancieren und dann im weiteren Verlauf der gewünschten Vision anzupassen.
Die Node-Struktur ist immer die gleiche, um Verwirrungen zu vermeiden und einen effizienten Workflow zu gewährleisten.

Node-Struktur

Als Erstes wird jeweils die White-Balance gemacht, dann kommt die Helligkeitskorrektur, danach der Kontrast, dann die Sättigung und von da an eigentlich nur noch Masken für Helligkeit oder auch das Angleichen einzelner Farben, falls teilweise Shots unterschiedliches Rot aufweisen, obwohl diese eigentlich gleich aussehen sollten.

White Balance Node (WB)

Bei der White Balance gibt es gefühlte hundert verschiedene Wege, wie man diese anpassen kann, und jeder hat seine Vor- und Nachteile. Der Weg, für welchen ich mich entschieden habe, ist ein ziemlich pragmatischer, welcher nicht gerade der akkurateste Weg ist, da dieser mit Augenmass arbeitet. Jedoch ist man damit sehr schnell, und er funktioniert mit ein wenig Übung auch sehr gut.
Ich gehe jeweils so vor, dass ich auf den Scopes das Vectorscope geöffnet habe und dann mit dem HDR Global Wheel den Mittelpunkt der Farben so verschiebe, dass es auf dem Vectorscope so aussieht, als wäre das Kreuz in der Mitte der Farbwolke.

Wie ihr aktuell seht, ist das noch nicht der Fall. Schauen wir uns nun einmal den Clip an. Dabei ist ersichtlich, dass das Bild gar nicht so schlecht aussieht.

Wie sieht denn der Clip aus, wenn wir schauen, dass die Farbwolke schön in der Mitte ist? Hier das Beispiel:

Der ganze Clip ist nun viel zu orange, doch wieso ist das so?

Es ist eigentlich ziemlich einfach, denn da das Vectorscope anzeigt, wie welche Farben im Bild verteilt sind, sehen wir natürlich das Blau im Himmel auch im Vectorscope abgebildet. Das macht, dass die Farbwolke nicht mittig scheint, jedoch der Clip an sich eigentlich schon sehr schön balanciert war, was die WB (White-Balance) angeht. Das heisst, in exakt diesem Fall können wir also meinen Weg schon nicht mehr brauchen, ausser wir gehen mit Augenmass vor. Deswegen passen wir die WB hier nicht an (da der Clip von draussen ist und wahrscheinlich mit 5.600 Kelvin aufgenommen wurde, stimmt die WB wahrscheinlich sowieso).

Helligkeitskorrektur Node (Cor/Lum)

Bei dieser Node arbeite ich mit der Parade in den Scopes, da ich hier schauen will, dass mir nichts unter 0 fällt, ansonsten wären die schwarzen Bereiche ausgebrannt. Gleichzeitig schaue ich, dass ich mit dem Subjekt vom Clip, auf welchem der Fokus liegen sollte, im Bereich zwischen 128 und 512 bin. Denn damit bin ich im Bereich, welchen ich dann in der folgenden Contrast-Node schützen und nicht verändern werde.

Bereich 128 - 512

Auch hier arbeite ich wieder mit dem HDR Global Wheel, denn dieses passt das Licht möglichst akkurat an, als ob es in-camera aufgenommen worden wäre. Beim Exp (Exposure)-Slider ist es so, dass man bei -1.00 ziemlich exakt einen In-Camera Stop dunkler ist als zuvor. Das Gleiche zählt natürlich für +1.00, nur hier halt in die andere Richtung.

ch arbeite grundsätzlich beim Anpassen der Exposure so, dass ich entweder um einen ganzen, einen halben oder einen viertel In-Camera Stop verringere oder erhöhe. Dadurch bleibe ich immer auf dem gleichen Raster, und wenn ich dann noch etwas mehr anpassen muss, da sonst etwas völlig ausbrennt, egal ob dunkel oder hell, dann passe ich das mit dem Gain- und dem Lift Wheel bei den Primaries an.

Kontrast Node (Con)

Hierfür arbeite ich mit einem DCTL, welcher mir hilft, den Middle Gray Punkt zu finden, woraus ich dann die geschützte Zone machen und von da an den Kontrast einstellen kann.

Den DCTL habe ich zu den Effekten bei der Color Page in DaVinci hinzugefügt. Diesen kann man für unterschiedliche Farbräume einstellen, da nicht jeder im gleichen Farbraum arbeitet.

Ich habe DaVinci Intermediate ausgewählt, da dies mein Arbeitsprofil ist. Wenn ich die Einstellungen gemacht habe, dann sehe ich auf dem Clip einen grauen Balken, welcher zeigt, wo das Middle Gray ist und auch von welchem Wert ausgegangen wird. Bei DaVinci Intermediate sollte dort 0.336 stehen, da dies der Middle-Gray-Punkt in diesem Farbraum ist.

Durch diesen grauen Balken sieht man dann in den Custom Curves einen riesigen Spitz, welcher zeigt, wo das Middle Gray ist. Diesen schützen wir dann mit einem Punkt direkt auf dem Strich, welcher normalerweise der Kontrastverlauf ist, ohne ihn bearbeitet zu haben. Am besten klickt man hierfür auf Option und dann auf die gewünschte Stelle. Von da an kann man dann einen Kontrast erstellen, der einem lieb ist.

Der im Screenshot rot markierte Punkt ist der Punkt, welcher verwendet wird, um das Middle Gray zu schützen, und die anderen sind dazu da, den von mir gewünschten Kontrast zu erreichen. Hier kann man natürlich unterschiedlich starken Kontrast erzielen, je nachdem wie stark man diesen machen möchte. Mit dem gesicherten Middle Gray kann man auch einen sehr starken Kontrast machen, noch bevor das Bild verfällt. Doch auch hier gibt es natürlich Grenzen, bei welchen das Ganze nicht mehr gut aussehen kann.

Sättigung Node (Sat)

Bei der Sättigung arbeite ich in einem anderen Color Space (Farbraum) als bei den anderen Nodes, denn dann sieht die Sättigung möglichst natürlich aus und nicht völlig übertrieben oder extrem technisch.

Dafür verändere ich den Farbraum auf HSL (Hue, Saturation & Luminance). Davon schalte ich jeweils Channel 1 & 3 ab, denn dadurch verändere ich nur noch die Sättigung, nicht mehr den Farbton (Hue) oder die Helligkeit (Luminance). Das macht man, indem man über Rechtsklick dann über Channels einmal den ersten und den dritten Channel deaktiviert. Dann sollte nur noch neben dem zweiten Channel (Saturation) ein kleines Häkchen sein, welches zeigt, dass nur dieser ausgewählt ist.

Sobald man diese Schritte gemacht hat, ist man fertig mit dem Aufsetzen dieser Node. Jetzt zum Verwenden: Das ist sehr einfach, denn man muss einfach zu den Primaries gehen und dort am Gain-Wheel drehen, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Erhöht man die Zahl unter dem Gain-Wheel, erhöht man auch die Sättigung, verringert man jedoch die Zahl, verringert man wiederum logischerweise auch die Sättigung.

Masken-Nodes

Kommen wir nun zu den Masken. In diesem spezifischen Fall sind es vier verschiedene Masken, welche alle für etwas völlig anderes zuständig sind. Wichtig ist: Meist arbeitet man bei den Masken immer mit anderen, das heisst, man muss bei jedem einzelnen Shot die Masken immer wieder neu machen und auch neu anpassen. Bei diesem Shot habe ich, wie schon gesagt, mit vier Masken gearbeitet. Von oben nach unten gesehen, ist die erste dafür da, eine Vignette zu setzen, welche die Aufmerksamkeit mehr ins Zentrum lenken soll. Die zweite ist eine Auswahl des Himmels, mit welcher ich den Himmel mehr in den Bereich des Blaus gezogen habe. Mit der dritten habe ich die weissen Stellen im Bild von einem bläulichen Ton hin zu wieder klarem Weiss verändert, da die White-Balance dann eben doch nicht optimal war (könnte man deswegen auch über die WB-Node machen). Die letzte Node ist nur noch da, um das Subjekt, welches vor dieser Node fast mit dem Hintergrund verschmolzen ist, hervorzuheben.

Bevor wir zum Schluss kommen, bei welchem man den Look erarbeitet, zeige ich euch kurz einen Unterschied. Ihr seht, wie der Clip aussieht, bevor die ganze Arbeit gemacht wurde, und wie er danach aussieht. Wichtig: Das war bisher eigentlich noch nicht einmal Arbeiten am Look.

Vor Clip Bearbeitung
Nach Clip Bearbeitung

Look Creation

Am Schluss kommt dann natürlich noch der finale Look, welchen man ganz unterschiedlich erarbeiten kann. Wichtig: Auch hier möchte man wieder auf die Timeline-Ebene gehen, da ansonsten der Look bei jedem einzelnen Clip angepasst werden müsste, falls man dies im Nachhinein machen möchte. Das heisst, wir gehen wieder auf die Timeline-Ebene und arbeiten in diesem Fall mit dem Film Look Creator von DaVinci selbst. Hier gilt grundsätzlich: einfach ausprobieren und schauen, was für einen selbst stimmt und weshalb das für einen stimmt. Hier wäre ein Tutorial, um ein grundsätzliches Verständnis zum Film Look Creator zu erarbeiten:

Somit kommen wir zum Schluss dieses Blogs. Nun weisst ihr, wie ich meine Projekte angehe und was meinen Workflow ausmacht. Der ganze Workflow hat lange Zeit und auch viel Arbeit gekostet, bis ich mir all das Wissen erarbeitet hatte. Ich hoffe, der Blog und vielleicht die ganze Blog-Reihe hat zu einem besseren Verständnis der Color Page und des Color Gradings geholfen. Für Feedback bin ich immer sehr offen, und ich freue mich auch über jegliche Verständnisfragen, falls etwas nicht wirklich gut erklärt sein sollte.

Zum Abschluss zeige ich euch noch kurz, was der Film Look Creator bei meinem Shot verändert hat:

Nur CST
Clip Bearbeitet
Film Look Creator